Vor einem Jahr standen wir zur Erbendorfer Kirchweih zum ersten Mal in der Öffentlichkeit. Heute haben wir vier Sitze im Stadtrat. Dazwischen liegen unzählige Stunden Arbeit, die wir gerne gemacht haben – und Menschen, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre.
Erinnert ihr euch noch? Kirchweihsonntag in Erbendorf. Unsere Aktion „20 Flaschen für den Stadtrat“. Dazu unser Kirwasong über die Schlaglöcher, mit dem wir offenbar vielen aus der Seele gesprochen haben. Ein bisschen frech, ein bisschen ungewöhnlich – und für uns der Anfang einer aufregenden gemeinsamen Reise.
Wir wollten etwas bewegen. Wir wollten uns einmischen, zuhören und neue Perspektiven in die Erbendorfer Kommunalpolitik bringen. Dass wir ein Jahr später mit vier gewählten Mitgliedern im Stadtrat vertreten sein würden, haben wir uns gewünscht. Ob uns die Menschen dafür ihr Vertrauen schenken würden, wussten wir damals noch nicht.
Heute schauen wir zurück und denken: Unglaublich, was in diesem einen Jahr alles passiert ist.
Ihr habt aus unserer Idee etwas gemacht
Wir haben Mitstreiter gefunden, eine Stadtratsliste aufgestellt, einen Bürgermeisterkandidaten nominiert und gemeinsam einen Wahlkampf bestritten. Wir haben Gespräche geführt, organisiert, diskutiert und immer wieder angepackt.
Dabei haben wir erlebt, wie viel möglich wird, wenn Menschen zusammenhalten. Wenn jemand nach der Arbeit noch Zeit findet. Wenn einer einspringt, weil ein anderer gerade nicht kann. Wenn aus einem Gespräch Unterstützung wird und aus einer ersten Idee ein gemeinsames Ziel.
Unser Einzug in den Stadtrat gehört deshalb allen, die diesen Weg mit uns gegangen sind. Allen, die unterschrieben, mitgeholfen, uns Mut gemacht und uns schließlich ihre Stimme gegeben haben.
Ihr habt uns eine Chance gegeben. Dafür sind wir euch dankbar.
Wir wurden belächelt. Wir haben weitergemacht.
Wir erinnern uns auch an die Zweifel, die uns entgegengebracht wurden. Ob wir überhaupt eine Liste zusammenbekommen würden. Ob genügend Menschen unsere Wahlteilnahme unterstützen würden. Ob wir tatsächlich den Einzug in den Stadtrat schaffen könnten.
Manches davon war Skepsis. Manches haben wir als Spott erlebt. Und es gab Anfeindungen, die uns getroffen haben.
Natürlich ging das nicht immer spurlos an uns vorbei. Aber wir haben uns gegenseitig den Rücken gestärkt und weitergearbeitet. Unser Team und die Unterstützung aus der Bevölkerung haben uns dabei getragen.
Unseren frechen Ton haben wir uns bewahrt. Schon die Flaschenaktion und der Kirwasong haben gezeigt, dass Kommunalpolitik auch mit Humor und einer deutlichen Botschaft daherkommen darf. Dahinter stand von Anfang an ein ernstes Anliegen: Wir wollen uns für Erbendorf einsetzen.
Vier Sitze sind Vertrauen – und Verantwortung
Mit dem Wahlergebnis begann für uns eine neue Aufgabe. Unsere vier Stadtratsmitglieder mussten sich in Abläufe einarbeiten, Zuständigkeiten kennenlernen, Unterlagen durcharbeiten und sich auf Beratungen und Entscheidungen vorbereiten.
Das tun wir mit großer Sorgfalt. Wir lesen, fragen nach, diskutieren in der Fraktion und bereiten Sitzungen gründlich vor. Auch dort, wo uns weiterhin Misstrauen begegnet, wollen wir durch unsere Arbeit überzeugen.
Dabei bleiben unsere Ziele dieselben:
Wir wollen mehr Transparenz. Wir möchten erklären, warum wir einer Entscheidung zustimmen oder weshalb wir etwas kritisch sehen. Vertrauliche Inhalte müssen vertraulich bleiben. Unsere Haltung und die Gründe dafür sollen jedoch nachvollziehbar sein.
Wir wollen vernünftige Entscheidungen ohne Parteienbrille. Für uns zählt, was ein Vorschlag für Erbendorf bringt. Gute Ideen verdienen eine faire Prüfung – unabhängig davon, von wem sie kommen.
Wir wollen eure Anliegen aufnehmen. Was ihr uns in Gesprächen mitgegeben habt, nehmen wir ernst. Nicht jeder Wunsch lässt sich erfüllen, und manches braucht Zeit. Aber wir wollen Hinweise prüfen, Fragen stellen und eure Anliegen an der passenden Stelle einbringen.
Wir haben gearbeitet – und zu wenig darüber erzählt
Zu einem ehrlichen Rückblick gehört auch das: In den vergangenen Monaten war von unserer Arbeit öffentlich zu wenig zu sehen.
Wir haben alle anspruchsvolle Berufe. Dazu kommen Fraktionsbesprechungen, Ausschüsse, Stadtratssitzungen und die Vorbereitung darauf. Viel Zeit und Energie sind in die Einarbeitung geflossen. Das erklärt, weshalb unsere Öffentlichkeitsarbeit zu kurz gekommen ist.
Trotzdem wissen wir: Wenn wir Transparenz versprechen, müssen wir uns auch die Zeit nehmen, unsere Arbeit verständlich zu machen.
Hier wollen wir besser werden. Wir möchten euch häufiger zeigen, womit wir uns beschäftigen, welche Fragen uns bewegen und wie wir zu unseren Positionen kommen. Und wir wollen mit euch im Gespräch bleiben. Denn euer Blick auf Erbendorf gehört für uns zur politischen Arbeit dazu.
Danke für dieses erste Jahr
Vor einem Jahr haben wir zur Kirchweih einen Anfang gemacht. Seitdem haben wir viel gelernt, Gegenwind ausgehalten und gemeinsam mehr erreicht, als uns manche zugetraut haben.
Was uns besonders bewegt, ist das Vertrauen, das ihr uns entgegengebracht habt. Menschen haben sich öffentlich zu uns gestellt, Verantwortung übernommen und ihre Zeit investiert. Andere haben uns im persönlichen Gespräch bestärkt oder am Wahltag ihr Kreuz bei uns gemacht.
Dieses Vertrauen nehmen wir mit in jede neue Aufgabe.
Wir können euch nicht versprechen, dass alles schnell geht oder dass wir uns mit jedem Anliegen durchsetzen. Aber wir versprechen euch, dass wir dranbleiben: aufmerksam, gründlich und mit dem Mut, auch unbequeme Fragen zu stellen.
Wir bleiben frech. Wir bleiben fleißig. Und wir bleiben miteinander für Erbendorf unterwegs.
Danke, dass ihr Teil davon seid.
